Shopper nähen: Schritt für Schritt zur Lieblingstasche

Du hast 1000 Taschen und in keine passt alles so rein, wie Du das möchtest? Geht mir auch so, darum habe ich mir jetzt eine neue Alltagstasche aus Jeans und Leder genäht, die nicht nur zu meinem Style passt, sondern auch ein großes und viele kleine Fächer für all meine Sachen hat. Die Nähanleitung für Deinen Shopper findest Du hier!

Jeweils ein Fach für Handy, Schlüssel, Stift und Mascara, ein großes Einsteckfach für meinen Block, den ich bei Interviews immer griffbereit haben möchte, und einen riesigen Taschenspace für Einkäufe – das muss meine Tasche können! Also habe ich mir so eine selbst genäht.

Willst Du auch? Beachte beim Stoffkauf …

Du kannst die Tasche natürlich genauso nähen, wie ich es gemacht habe. Für besseres Verständnis werde ich in der Anleitung auch von Jeansstoff, Leder und den gestreiften Baumwollstoff sprechen, den ich für das Taschenfutter verwendet habe. Du kannst aber selbstverständlich auch andere Stoffe verwenden, die – ähnlich robust – als Taschenstoffe geeignet sind.
Ich habe mich für diese Materialien entschieden, weil ich sie bereits zu Hause hatte. Ursprünglich habe ich die drei Stoffe und das Gurtband bei Textil Müller* in Kritzendorf gekauft [* unbezahlte Werbung wegen Namensnennung]. Eine vergleichsweise kleine Filiale von Textil Müller* findest Du auch in der Stumpergasse in Wien.

Upcycling von vorhandenen Stoffen

Du kannst aber auch einfach mal nachsehen, ob Du etwas Geeignetes zu Hause hast – eine alte Tasche, einen festen Vorhangstoff, Meterware vom letzten Einkauf beim Möbelschweden, die Du (noch immer) nicht verwendet hast. Theoretisch könntest Du auch eine alte Jeans zerschneiden/auftrennen, den Stoff zu einem großen Stück vernähen, daraus den vorgegebenen Schnitt zuschneiden und das Ganze wie beschrieben vernähen. Allerdings ist das nicht unbedingt ein Anfängerprojekt.

Tipp für AnfängerInnen

Wenn Du lieber eine Spur leichter beginnen möchtest, würde ich das Leder weglassen und als erstes Projekt eine Tasche nach diesem Schnitt mit Futter und Außenseite nähen. Beginne mit der Innenseite. Wenn Du die Nähte einmal zusammengenäht hast, dann gelingt es Dir beim zweiten Mal noch besser und Du hast eine hübsche Außenseite der Tasche.

Shopper nähen – Materialliste

Shopper nähen: Materialliste

  • Jeansstoff, nicht elastisch: 1/2 Meter Länge, Stoffbreite min. 1 Meter
  • Leder: ein 44 x 49 cm großes Stück, optional 4 kleine Quadrate, jeweils 6 x 6 cm zum Verdecken der Naht auf dem Gurtband
  • Futterstoff, nicht elastisch: 1 Meter Länge
  • Nähseide

Frage: Wieso haben der Jeansstoff und der Futterstoff eine andere Länge?
Antwort: Der verwendete Jeansstoff hat eine sehr feste Qualität und ist nicht elastisch. Somit konnte ich ihn in der Stoffbreite (statt in der Stofflänge) zuschneiden. Gängige Stoffbreiten liegen zwischen 120 und 160 Zentimetern. Bei Meterware muss man also schauen, wie breit ein Stoff ist bzw. ob er sich für das Projekt, das man umsetzen möchte, eignet (ob sich das von der Größe her ausgeht!) Dieser war 140 breit; für ein 49 cm breites und 98 cm (42 + 12 + 42) langes Stück habe ich also einen halben Meter Stoff gebraucht.
Der Futterstoff würde sich zwar nicht verziehen, er hat aber ein Muster: Längsstreifen. Wenn ich die Längsstreifen behalten möchte, muss ich also mit dem Muster schneiden. Hätte ich so geschnitten wie beim Jeansstoff, wären aus Längsstreifen in der Tasche Breitstreifen geworden.
Fazit: Achte beim Zuschnitt auf Elastizität und Musterverlauf des Stoffes.

Shopper nähen – Werkzeug

  • Nähmaschine mit Ledernadel
  • Stoffschere
  • Lineal & Maßband
  • Schneiderkreide
  • Textilkleber
  • Stecknadeln

Shopper nähen – Step-by-Step-Anleitung

Die Skizze

Wenn Du den Shopper genauso wie meinen nähen möchtest, kannst Du nach meiner Skizze zuschneiden und nähen. Falls Du Dir die Tasche individueller schneidern möchtest, rate ich Dir, eine eigene Skizze anzufertigen, weil das Berechnen, Zeichnen und Messen Dich vor so manchem Denkfehler schützen kann.

Shopper nähen: Skizze und Anleitung zum Tasche nähen

Der Zuschnitt

Der Zuschnitt ist die halbe Miete! Ich verstehe, dass Du gleich mit dem Nähen loslegen möchtest, nimm Dir trotzdem Zeit, sorgfältig abzumessen und zuzuschneiden. Du ersparst Dir damit eine Menge Ärger.

WICHTIG: Die Zentimeterangaben, die ich Dir auf der Skizze notiert habe, sind inklusive 1 Zentimeter Nahtzugabe. Das heißt, Du musst nichts mehr dazugeben. Schneide genau diese Maße aus dem Stoff aus.

Für das Taschenfutter

1 x den großen Teil
x-beliebig viele Fächer/kleine Taschen

Für die Außenseite der Tasche

1 x den großen Teil
1 x den kleinen Teil aus Leder (in der Skizze ist der Teil mit Punkten eingezeichnet)
2 x Gurtband in exakt gleicher Länge

Tipp zum Gurtband: Für einen Shopper wie meinen, der gut über die Schulter getragen werden kann, eignet sich eine Länge von 65 cm. Wenn Du lieber kurze Henkel zum händischen Tragen hast, kannst Du die Träger beliebig verkürzen. Wichtig ist, dass die Gurtbänder exakt gleich lang sind, damit die Tasche nachher auf beiden Seiten gleich tief hängt.

Shopper zusammennähen

Das Taschenfutter

Taschenfutter für Shopper nähen

  1. Versäubere alle Ränder mit einer Zickzacknaht.
  2. Nähe die Fächer auf.
    Ich habe dazu
    a. zwei Reste aus dem Jeansstoff ausgeschnitten
    b. mit Zickzacknaht versäubert
    c. mit einem geraden Stich die obere Kante genäht
    d. die Tasche dort auf das Futter aufgelegt und festgesteckt, wo ich sie haben wollte
    Lass dazu mindestens 8 Zentimeter bis zum oberen Taschenrand, damit die Gegenstände, die Du in die Fächer steckst, nicht direkt am Taschenrand sind. Sonst fallen sie zu leicht raus.
    e. mit einem ganz engen Zickzackstich aufgenäht (Stichlänge: 5 mm, Stichbreite: so klein wie möglich), wodurch die Tasche 1. sehr fest am Futter angenäht ist und ich mir 2. auch das Umnähen aller vier Seiten erspare.
    Wenn Du die Innentasche mit einer geraden Naht annähen willst, musst Du den Stoff mit der Zickzacknaht umschlagen und danach mit gerader Naht auf dem Futter annähen.
    f. Nähe nun mit geraden Nähten Abteilungen in die Innentasche. Am besten zeichnest Du Dir die Nähte mit einem Geodreieck und Schneiderkreide vor.
    Was muss bei Dir in einer Innentasche verstaut werden? Ein Stift, ein Schlüssel, ein Handy, eine Geldbörse, Make-up …? Plane es so, wie es zu Dir passt!
  3. Nähe die blau markierten Seiten zusammen. Anmerkung: Ich habe 1 Zentimeter für die Naht eingerechnet. Wenn Du näher am Stoffrand nähst, wirst Du beim Taschenboden zu viel Stoff übrig haben (auf der Skizze mit 12 Zentimetern in Grün und Hellrosa eingezeichnet).
  4. Nähe die dunkelrosa markierten Seiten zusammen.
  5. Nähe die grün markierten Seiten zusammen.
  6. Nähe die hellrosa markierten Seiten zusammen.

Die Außenseite mit Leder

  1. Nähe die Träger an die Tasche. Miss dazu den genau gleichen Abstand an allen vier Stellen! Ich habe 8 Zentimeter vom oberen Taschenrand und 13 Zentimeter vom seitlichen Taschenrand gemessen und FEST angenäht. Zuerst ein Quadrat und dann noch ein X ins Quadrat. Jede Naht etwa 4- oder 5-mal, damit es auch wirklich gut hält. Wenn Dir das optisch nicht gefällt, kannst Du – so wie ich es hier gemacht habe – Quadrate (oder eine andere Form) aus dem Leder ausschneiden und dieses Patch mit Textilkleber über das Gurtband kleben.

    Frage: Wieso hat Dein Leder-Patch eine Prägung? Wie hast Du das gemacht?
    Antwort: Ich habe die Leder-Patches, die ich über die Gurtbandenden geklebt habe, mit meiner Stanz- und Prägemaschine ausgestanzt. Und zwar mit einer Form, die ein Quadrat ausstanzt und gleichzeitig eine strichlierte Linie auf dem Quadrat einprägt. Die Maschine eignet sich für ganz viele tolle Projekte mit Papier, Stoff, Moosgummi u. v. m., extra fürs Shopper Nähen würde ich sie mir aber nicht kaufen. Vielleicht hat jemand in Deinem Umfeld eine Sizzix Stanz- und Prägemaschine und Du kannst sie/ihn bitten, Dir das auszustanzen.
    Du kannst die Patches aber einfach mit der Schere aus dem Leder ausschneiden oder Dir fertige Patches kaufen.

  2. Wechsle die normale Nähmaschinennadel auf eine Ledernadel aus.
  3. Lege das Lederstück exakt auf das Jeansstück auf. Feststecken wird wegen der Materialdicke nur schwer gehen – versuche es mit Stoffklammern. Wenn Du soetwas nicht zur Hand hast – hatte ich auch nicht – musst Du hier einfach sehr gut aufpassen, dass das Leder nicht verrutscht.
  4. Nähe langsam die 49-Zentimeter-Seite an und wiederhole das auf der anderen Seite der Tasche. Ich empfehle Dir dazu einen möglichst großen Stich, damit das Leder von der Nähmaschinennadel nicht zu oft durchstochen wird. Zu kleine Stichabstände perforieren das Leder und es reißt möglicher Weise aus. Die anderen Seiten können offen bleiben. Du vernähst sie ohnehin automatisch im nächsten Schritt.
  5. Nähe nun die Schritte 3 bis 6 wie beim Taschenfutter. Also zuerst Blau, dann Dunkelrosa, danach Grün und Hellrosa.
    Die Teile, bei denen Du Leder und Jeans miteinander vernähst, wirst Du sehr langsam und behutsam sein müssen, damit die Nähmaschinennadel nicht bricht, der Faden nicht reißt und Du durch alle vier Schichten an Stoff und Leder kommst.

Die Außenseite ohne Leder

Du kannst die Sache mit dem Leder natürlich auch einfach weglassen!
Vielleicht möchtest Du Dir außen Fächer an die Tasche annähen oder sie mit Bügelbildern oder Pins individualisieren. Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
Nähe lediglich die Träger wie in Schritt 1 beschrieben an die Tasche und wiederhole die Schritte 3 bis 6 aus dem Teil über das Taschenfutter.

Taschenfutter und äußere Seite zusammennähen

Du hast es fast geschafft! Deine Tasche sieht schon so gut wie fertig aus? Pass auf, gleich kippst Du vor Staunen über Deine eigene Zauberkraft um.
Jetzt wird es nur noch kurz einmal knifflig:

  1. Wende die äußere Tasche nach innen (die schöne Seite – beim Nähen spricht man von der „rechten Seite“ – ist innen).
  2. Wende die Futtertasche nach außen (die rechte Seite ist außen).
  3. Stecke die Futtertasche in die äußere Tasche – rechts auf rechts: das heißt, die schönen Stoffseiten schauen einander an.
  4. Schiebe die Seitennähte von Futtertasche und Außentasche übereinander und stecke die Taschenteile so aufeinander fest.
    Die Träger musst Du im Inneren, zwischen Futter- und Außentasche, verstauen. Sie dürfen sich nicht am Taschenrand, den Du jetzt gleich nähen wirst, verfangen, sonst nähst Du sie unabsichtlich mit.Taschenfutter in eine Tasche einnähen
  5. Vernähe die Taschenteile miteinander. Lass eine Öffnung von etwa 15 bis 20 Zentimetern frei. Du brauchst diese Öffnung zum Wenden der Tasche.
  6. Greife durch die Öffnung in die Tasche und ziehe die Futtertasche heraus. Danach ziehst Du die Außentasche durch die Wendeöffnung.
    WOW, nicht?!
  7. Die Wendeöffnung kannst Du nun mit einem Matratzenstich unsichtbar vernähen oder eine Naht um den gesamten oberen Taschenrand machen. Der Vorteil der zweiten Variante ist, dass das Futter damit auch schön im Tascheninneren bleibt.Matratzenstich zum unsichtbaren Verschließen von Nähten

Fertig ist Dein individueller Shopper!

Ich hoffe, Du bist total stolz auf Deine neue Tasche, die niemand sonst hat. Wenn Du noch Fragen hast, dann melde Dich einfach.

PS: Ich habe noch eine zweite Tasche mit anderem Futter genäht … – selber Schnitt, anderer Look:

Tasche aus Jeans und Leder selber nähen

… und meine erste Tasche mit einem Make-up-Tascherl aufgepeppt. Könnt Ihr Euch noch an mein liebes Lama und die Kakteen-Bügelbilder auf Instagram erinnern? Die zieren jetzt meine Kosmetiktasche.

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu.

*

code