Basteln und Nachhaltigkeit – ein Blick auf die Facetten

Wie nachhaltig ist Upcycling? Wie wählst Du Deine DIY-Projekte aus? Was ist Dir beim Basteln wichtig? Ich habe die Instagram-Community gefragt.
Basteln und Nachhaltigkeit - ist das ein Widerspruch?

Wer an Basteln denkt, denkt an Achtsamkeit, slow living, Nachhaltigkeit, Upcycling. Up… – die höhere Ebene steckt ja schon im Wort –  …cycling muss doch irgendwie grüner sein. Grüner als was? Ist der Begriff „Upcycling“ greenwashing oder darf das sein? Was muss Basteln können? Ich habe mich in der DIY-Community umgehört.

Wie nachhaltig ist Basteln? Ein Evergreen-Thema

Begonnen hat alles mit einem Kürbis. Kürbis mit Acrylfarbe. Kürbis mit Kreidelackspray. Kürbis mit Wachsmalkreide-Dripping. Kürbis mit Lackstiftverzierung. Alles schön anzusehen, aber sobald der natürliche Verrottungsprozess dieses Herbstboten einsetzt, stellt sich die Frage, „Wohin mit ihm?“.

„Bitte in den Restmüll“, sagt die MA48 auf Instagram, „nur unbehandelte pflanzliche Abfälle kommen in die Biotonne!“

Wenn Du Deinen Kürbis also mit Haarspray oder einem kurzen Bad in Wasser und Bleichmittel haltbar machst, darf er nachher nicht in die Biotonne, sondern muss in den Restmüll.
Dasselbe gilt übrigens auch für Konservendosen, die Du mit Lack besprühst und als Stifthalter verwendest, die Du mit Kleber bestreichst, um sie mit Schnur zu umwickeln oder mit Stoffspitze zu bekleben.

Was macht machst Du mit der Info? Lieber einen neuen Stifthalter kaufen und die Dose dafür in den Recyclingcontainer werfen oder die gepimpte Dose als Stifthalter weiterverwenden und am Ende ihrer Lebensdauer in den Restmüll werfen?

Was ist Dir wichtig beim Basteln?
Nach welchen Kriterien suchst Du Dir Deine DIY-Projekte aus?
Was wünschst Du Dir von DIY-Projekten?

Ich habe meine Community auf Instagram gefragt und folgende Antworten bekommen:

Gudrun von @stadtfein | erfahre mehr auf www.stadtfein.at
Gudruns Familie führt seit über 55 Jahren ein renommiertes Modellbaugeschäft in Wien. Kreativität begleitet sie seit früher Kindheit. Sie selbst betreibt eine Kreativagentur im Kommunikations- und Eventbereich.

Ich mache am liebsten Dinge selber, die mich designmäßig ansprechen und die es so nicht zu kaufen gibt. Am Wichtigsten ist mir, dass ich etwas dabei lerne, etwas ausprobiere, das ich so nicht kenne, oder ich bastle einfach zum Spaß. Meistens sind es Dinge, die ich verwenden kann. Bei den nachhaltigen Dingen habe ich z. B. Wachstücher gemacht, da ich Stoffreste hatte, die so noch eine tolle Verwendung gefunden haben. Also auch Verwertung von Material ist bei mir Thema. Tolle Frage, hat mich zum Nachdenken animiert. Fazit: Ich mach einfach gerne Dinge selber.

Nachhaltigkeit beim Basteln: Dinge, die es nicht zu kaufen gibt

Jennifer alias Mrs. Bird @mrs.bird.creations | erfahre mehr in ihrem Etsy-Shop
Jennifer entwirft zauberhafte Stempel, die sie für Papier- und Stoffdruck einsetzt und damit liebevolle Einzelstücke schafft, die via Etsy zu haben sind.

Ich finde, wenn man mit Dingen bastelt, die sonst im Müll gelandet wären, ist das schon nachhaltig und umweltfreundlich, weil man nicht extra etwas kaufen geht. Lieber eine Konservendose bebasteln, als eine extra dafür hergestellt Pappdose zu kaufen. Dass das Bastelprojekt als Ganzes dann nicht mehr recyclingfähig ist, finde ich okay.

Basteln und Umwelt: Wie vereinbar müssen die beiden Themen sein?

Jenny & Silvi von @muckout.de | erkunde die Welt von www.muckout.de
Jenny & Silvi veranstalten regelmäßig Workshops zu unterschiedlichen Kreativschwerpunkten in der muckout-Kreativwerkstatt in Kyritz. Darüber hinaus betreiben sie einen tollen Webshop, in dem sich Bastelbegeisterte zusammengestellte DIY-Kits kaufen und damit kreativ werden können, ohne sich mehr Material zulegen zu müssen, als sie für dieses eine DIY-Projekt benötigen.

Upcycling um jeden Preis gibt es bei uns jetzt schon eine Weile nicht mehr. Also das Alles-Ansprühen mit Lack hat uns zu denken gegeben. Wenn Upcycling, dann mit Sinn und ohne schlimmeren Müll zu produzieren.

Basteln ja, aber bitte mit Nachhaltigkeit im Blick

Katja von @katyeah68
Liebt es, sich kreativ auszudrücken – Kreatives für Garten, Home and Living und zeigt das bunte Potpourri auf Instagram @katyeah68.

Mir ist es zuwider, immer neues Bastelmaterial zu kaufen! Deshalb benutze ich am liebsten Material, das ich da habe. Oder auch mehrmals (ich arbeite Sachen dann um). Oder Upcycling. Ich nähe gerne aus alten T-Shirts oder Bettzeug oder alten Resten aus dem Fundus meiner Mutter. Im Internet Material zu bestellen, finde ich total schwierig, weil ich die Dinge erst einmal in der Hand haben [möchte]. Wenn ich also kaufe, dann im lokalen Handel. Oder ich nehme auch mal Sachen von Flohmarktläden oder dem Sperrmüll o. Ä. Ich probiere da auch gerne was aus, was „eigentlich“ nicht geht …

Bei allem, was man nachhaltig zu machen versucht, gibt es ja auch das Ein oder Andere weniger nachhaltige – findest Du es okay, wenn man manchmal Ästhetik über Nutzen oder Nachhaltigkeit stellt oder sollte man davon die Finger lassen?

Also bei Deko ist doch die Ästhetik das Wichtigste – wenn es so gruselig selbstgemacht aussieht, mag ich das auch nicht. Ich mag DIY am liebsten MIT Nutzen … wenn ich das aus Vorhandenem machen kann: perfekt. Wenn das nicht geht und es etwas ist, das sonst ein Heidengeld kostet, kann es auch mal weniger nachhaltig sein. Ich mache wenig reine Deko. Ich muss aber auch ehrlicherweise sagen, dass ich hier bei Farben, Papieren und so aus dem Vollen schöpfe. Mein Papa ist Künstler und da ist einfach sehr viel vorhanden.

Der Nachhaltigkeitsgedanke ist beim Basteln wichtig. Hier geht es aber nicht nur um Umweltsaspekte.

Madeleine von @madvonherzen | erfahre mehr auf www.madvonherzen.at
Madeleine schreibt auf ihrem DIY-Blog über Selbstgemachtes von Herzen. Stoffe natürlich färben, selbstgemachte, pflanzenbasierte Salbe für kleine Wehwechen, leckere Rezepte wie essbares Fruchtleder und andere DIY-Anleitungen sind auf ihrem Blog nachzulesen.

Ich finde es so toll, dass du dich mit dem Thema beschäftigst. Leider sind wir weit weg von Nachhaltigkeit im DIY-Bereich. Ich versuche, wirklich nachhaltig zu arbeiten, finde es aber sehr schwer. Ich würde mir wünschen, dass Hersteller von Farben, Klebstoffen etc. versuchen, nachhaltigere Produkte herzustellen. In so vielen anderen Bereichen ist ja auch durch den Druck der KonsumentInnen ein Umdenken im Gange.

Was meinst Du, wie man Kindern den Umgang mit Bastelmaterial beibringen kann bzw. wie man ihnen auch sinnvoll erklärt, was die Umwelt belastet?

Ich denke, der erhobene Zeigefinger ist nicht die beste Methode. Aber man kann vorzeigen, vorleben und mit gutem Beispiel vorangehen. Zeigen, wie schönes DIY geht und trotzdem die Umwelt nicht so massiv belastet wird. Denkanstöße geben und inspirieren.

Der Zeigefinger ist nicht die beste Methode bei der Erziehung.

S. (Name der Redaktion bekannt)

Ich mache nur DIYs, die ich lange verwenden kann bzw. jede Saison wieder hervorkramen kann. Bei mir gibt es erst was Neues, wenn ich wieder Platz habe, also wenn etwas kaputt geht. Und hier kaufe ich meistens Second Hand – am Flohmarkt zum Beispiel – und gestalte es um.

Basteln nach saisonalen Themen

M. (Name der Redaktion bekannt)

Ich suche meine Bastelprojekte immer völlig aus dem Bauch heraus aus, ich muss einfach Lust darauf haben. Upcycling war noch nie so wirklich meins. Nach deinem Beitrag favorisiere ich meine mulesingfreien Filzarbeiten aber besonders! Sollte ich mal wieder machen.

Kreativität kommt aus dem Bauch!

Nachhaltigkeit beim Basteln | Ein paar Gedanken von mir

Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Antwort, ein generelles Richtig und Falsch in dieser Sache gibt.
Ich bin ein absoluter Fan von günstigen, einfachen Bastelprojekten und günstig bedeutet oft, etwas zu nehmen, was man bereits zu Hause hat. Bei uns sind das ganz oft die Kartons, die ich beim Einkaufen mitnehme, weil ich schon wieder das Mehrweg-Sackerl (die Einkaufstasche) vergessen habe. Wir bauen Boote für Playmobil-Maxerl, wir bauen Schiffe zum Hineinsetzen und Piratspielen, wir bauen ein Regal für Stofftiere usw. Die Kinder lernen dabei, kreativ zu denken – wortwörtlich „out of the box“: Wie könnte das aussehen? Wie hält es am besten? Wo muss ich Schnitte machen, um Teile zusammenzustecken, und wo brauche ich Klebeband oder die Heißklebepistole, um etwas zu befestigen. Während man diese Klebematerialien oft abziehen kann, bevor man die Kiste in den Altpapiercontainer wirft, bedeuten Farbanstriche das Aus fürs Altpapier. Ab in den Restmüll mit unserem Piratenschiff.
Ich stehe hier vor einer Herausforderung. Nicht so sehr für mich selbst, sondern als Content Creator.

Für mich persönlich …

… weiß ich, dass ich es für vertretbar halte, ein Kreativprojekt mit meinem Kind umzusetzen, weil ich ihm nicht das große Piratenschiff aus Plastik im Spielzeuggeschäft kaufen werde, wissend, dass es hier gerade eine Phase der Begeisterung durchmacht, die nach ein paar Wochen wieder abgeebbt sein wird. Dann ist etwas Neues spannend. Das Lernen in der Kindheit lebt davon, dass man Dinge ausprobieren darf – Spiele oder Situationen nachspielt, die man jetzt gerade faszinierend findet, die Freiheit hat, auszuprobieren, wo ein Flüssigkleber nichts ausrichten kann und wie eine Heißklebepistole da vielleicht das richtige Werkzeug sein kann.

Nachhaltigkeit hat mehr Facetten als den reinen Umweltgedanken

Bei Nachhaltigkeit geht es mir auch darum, meinem Kind zu zeigen, dass wir nicht jedes Spielzeug kaufen können und wollen. Wo soll das denn alles hin? Wohin kommt Spielzeug, wenn wir damit durch sind? Nachhaltig heißt für mich auch, einen anderen Weg zu finden, die Piratenphase auszuleben – mit einem Schiff aus dem Katzenfutterkarton zum Beispiel.

Nachhaltigkeit hat mehr als nur Umweltfacetten, hier geht es auch um Lebenshaltung und finanzielle Aspekte.

Nachhaltigkeit hat auch eine finanzielle Facette

Der Kürbis mit Blumendekoration hat genau diesen Zwiespalt für mich aufgetan: Das Material für dieses DIY-Projekt hat sechzig Euro gekostet. Ein verdammt teures DIY-Projekt in meiner Welt, eines, das ich unbedingt selbst probieren wollte, und eines, von dem ich sehr gerne länger etwas hätte. Lasse ich den Kürbis unbehandelt, verrottet er in wenigen Tagen. Behandle ich ihn, stretche ich sozusagen das Investment, aber er muss am Ende in den Restmüll.

Ist Basteln Kunst?

Eine Möglichkeit wäre, dieses Projekt nicht umzusetzen, aber das ruft die Künstlerin in mir auf den Plan und sagt, dass ein Leben, in dem die Kunst als Ausdrucksform immer hinten angestellt wird, ärmer ist. Es wird immer einen Grund geben, gegen etwas zu sein. Meinen persönlichen Lebensstil, mein Konsumverhalten und meine Grundhaltung kennend kann ich es verantworten, auch einmal die finanzielle Nachhaltigkeit und den künstlerischen Aspekt des Projektes über die Biotonnentauglichkeit des Kürbisses zu stellen, den Kürbis später in seine Einzelteile zu zerlegen und alles ordnungsgemäß zu entsorgen – die unbehandelten Blumen in die Biotonne, den behandelten Kürbis in den Restmüll.

Als Content Creator …

… muss ich tief durchatmen, denn ich sehe ich in einer verantwortungsvollen Position. Wenn ich einen Beitrag online stelle, gebe ich die Verantwortung, sich über die Sinnhaftigkeit der Umsetzung Gedanken zu machen, ein Stückweit an die LeserInnen ab. Gleichzeitig glaube ich aber auch, im Thematisieren von Nachhaltigkeit, Sinnhaftigkeit oder dem Hinweis auf Dinge, die man sich vielleicht gut überlegen sollte, einer Verantwortung nachzukommen. Würde ich den Hinweis nicht geben, gäbe es das DIY-Projekt auch hundertfach von anderen, nur vielleicht nicht mit der Randnotiz.

Ich sehe es als meine Aufgabe, Menschen zu begeistern und anzuregen, etwas zu probieren und kreativ zu sein, weil ich Kreativität als etwas unheimlich Wichtiges, Wertvolles und … ihr könnt es erraten … Nachhaltiges empfinde. Kreativität beschränkt sich nicht aufs Basteln. Wer in einem Bereich kreativ ist, findet auch in anderen Lebensbereichen neue Wege.

Wesentlich ist, sich über das eigene Warum im Klaren zu sein (beim Basteln wie auch beim auf „Veröffentlichen“ Klicken): Etwas zu machen, nur um es auch gemacht zu haben, ist vielleicht nicht die beste Motivation. Etwas zu machen, weil man genau das unbedingt ausprobieren, erleben oder erfahren wollte, kann uns aber auch über uns hinauswachsen lassen. Es wäre schade, wenn wir uns das immer verbieten würden. Natürlich stellt man bei dieser Art der Betrachtung eine Facette über eine andere. Entscheidend ist für mich, das Gleichgewicht zu finden und die eigene Grundhaltung immer wieder zu prüfen.

Wie viel Verantwortung haben Content Creator, Blogger und Influencer in Sachen Nachhaltigkeit?
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