„Zt. fŸi“ – Zum Teil For Your Information

Liebes Blog-Tagebuch,

würde ich dir regelmäßig schreiben, müsste ich dir nun folgendes erzählen: Ich schreibe gerade an einem neuen Blog. Schreiben passiert aber meist nur in meinem Kopf (weniger als 20 Prozent meiner Gedanken erreichen die Tastatur), da ich, wie du weißt, untertags auf diverse kleine Menschen aufpassen und ihnen die wichtigen Dinge des Lebens beibringen muss – zum Beispiel, dass es nicht reicht, “Brrrrrrumm” zu machen, wenn man Krümel vom Boden wegmachen will, sondern man tatsächlich den Staubsauger aus dem Kasten holen muss. Oder man das Schälmesser nach der Verwendung nicht „meiß“ (also wegschmeißen) muss … BTW: habe ich dir schon erzählt, wie ich letztens um 22 Uhr den Mistkübel (aka: die Mülltonne) im Hof nach dem um 17 Uhr entsorgten 120-Liter-Müllsack durchsucht habe, weil der große Lord das neue Fiskars-Schälmesser mit einem Berg Kartoffelschalen entsorgt hat? Wie dem auch sei.

Ich sinniere also vor mich hin und da fällt mir Miranda aus Sex and the City ein. Ich habe nicht viele Folgen gesehen, aber die eine spezielle, in der Miranda Steve sagt, dass sie schwanger ist und meint, dass das wie der Gewinn bei den Paralympics für Empfängnisbehinderte ist (weil die Drehbuchautoren den beiden diesbezügliche Komplikationen angedichtet haben). Irgendwie hat sich die Sache verselbstständigt und mein Kopf produzierte: Auf-Urlaub-fahren mit Kindern ist wie eine paralympische Disziplin für Erholungsverhinderte. Der Teil meines Ichs, der für verbale und schriftliche Äußerungen zuständig ist, fand das aber doch recht arg und verwerflich. Der andere Teil nötigte mich allerdings, jemandem via Twitter zu schreiben und zu fragen, ob sie meint, dass mir für eine solche Äußerung die öffentliche Steinigung droht. Wir ping-pongen also ein paar Nachrichten hin und her, da steht in unserem Message-Verlauf plötzlich: „Zt. fŸi“. Zum Teil For Your Information? Was will man mir damit sagen, frage ich mich, sehe nochmal genau hin und stelle fest: Die Nachricht kam von mir. Das ist technisch gesehen aber gar nicht möglich, weil ich gerade in dem Moment im Tippfeld selbst eine Nachricht schreibe. Das hört sich alles vielleicht langwierig an, in Wahrheit sind vielleicht 1 ½-2 Minuten vergangen. Zt. fŸi. Da dämmert es mir … Ein kurzer Blick ins Kinderzimmer. Da sitzt der kleine Lord – noch keine 2 – mit meinem Handy, hat die Tastensperre aufgehoben und sich wundersam in meinen Twitter-Chat gehackt. Ich schnappe mir also das Handy und sehe, dass er schon die nächste Nachricht vorbereitet hat, für die er – wundersamer Weise – ein Foto, das ich am Abend zuvor von einer Freundin aus ihrem Urlaub via WhatsApp bekommen habe, ausgewählt und – wundersamer Weise – die Buchstaben A I D S darunter geschrieben hat. Zum Glück hat er die Nachricht nicht verschickt. Nicht wegen dem Text, sondern dem Foto.

Die Moral von der Geschicht‘: Verlass das Kinderzimmer nicht. Oder alternativ: Twittere neben wachen Kindern nicht./Sei zu faul für den Code-Lock nicht./

Und stiehl keine Lines, die du schon im Original zu heftig fandest.

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