Namensbücher sind out – ein Hoch auf die Speisekarte

Neulich waren wir essen. Endlich wieder einmal allein zu zweit. Niemand, der sich zuerst ein Stück meines Steaks abschnorrt und es nach fünfmaligem Kauen mit gerümpfter Nase und ohne weitere Vorwarung auf mein Teller plumpsen lässt, keiner, der die Frittaten aus der Suppe fischt und mir das Suppenwasser hinüberschiebt, niemand, der mir mein Glas Pago-Marille nach dem Trinken voller zurück gibt, als er es genommen hat.

Modernes Ambiente, gehobene griechische Küche, Blick auf der Kopfsteinpflaster im 1. Bezirk – totale Konzentration auf die traute Zweisamkeit … bis die Speisekarte kam. In fetten Lettern stand neben jeder Speise die Abkürzungen der Zutaten, die Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten hervorrufen können und zwar so prominent, dass ich mich dem Studium selbiger hingab.

Ich kam mir vor, als würde ich einen Wikingerroman lesen – mit den Hauptfiguren AGLOH und LOAN die gegeneinander um OLGA warben. Bei NOLGCA und DLORG musste ich an die Orks aus Der Herr der Ringe denken, womit mir der Appetit etwas schwand und als meine Augen schlussendlich über Abkürzungen stolperten, die so unglücklich klangen, dass ich unseren Kindern ähnlich lautende Wörter bei Tisch verboten hätte, war ich bestelltechnisch ratlos. Denn wer will schon ROLCAG und LOGAC essen? Wenig sexy auch LOFAG – ist zwar harmloser Büffelmozzarella mit diversem Rundherum, hört sich aber trotzdem verdächtig nach dirty talk an.

Ich habe mir also etwas Unverfängliches ausgesucht. Wäre ich aktuell auf der Suche nach einem ausgefallenen nordischen Kindernamen wie RONMGLAD oder RAOLM, hätte ich den Kellner gebeten, mir dir Karte mitnehmen zu dürfen, aber dafür habe ich das ruhige, ungestörte Essen meines MLGA viel zu sehr genossen.

PS: Wusstet ihr, wogegen man offenbar nicht allergisch sein kann? Zitronensorbet mit Mango und Vodka – da gab es keine Allergenabkürzung. Blöd nur, dass ich Mangos nicht ausstehen kann.

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