Hilfe, die Ente beobachtet mich! | Meine peinliche spezifische Phobie

Spinnen, enge Räume, große Höhen, Fliegen, der Zahnarztbesuch und Dunkelheit – Angst auslösende Reize, die jeder, zumindest dem Hörensagen nach, kennt. Die meisten unserer Ängste sind erlernt, nur wenige gelten als biologisch vorgeformt und als Urangst in uns verankert. Angstreaktionen auf Schlüsselreize sind vor allem bei Tieren gut zu beobachten, doch auch in uns ansatzweise zu finden: Abwehr- oder Fluchtreflexe, die Angst vor Blitz und Donner, die Angst vor Dunkelheit oder auch die Angst vor Höhen.

Die Mehrheit menschlicher Ängste entsteht jedoch durch traumatische Ereignisse im Kindesalter – oftmals durch eine Fehleinschätzung von bestimmten Objekten und Situationen, die gedanklich zu etwas Gefährlichem hochstilisiert werden. Zudem spielt auch der kulturelle Kontext bei der Entstehung von Ängsten eine wichtige Rolle, da gewisse Gefahren in unterschiedlichen Kulturen anders bewertet werden. Angst kann ansteckend sein. Der mediale Einfluss ist hinsichtlich der raschen und weiten Verbreitung nicht zu unterschätzen und kann Ängste leicht überhöhen und vervielfachen.

Wie stark ein Mensch Angst empfindet, scheint neuesten Erkenntnissen zufolge auch eine genetische Komponente zu haben. Angst ist ein kraftvoller Motor, unser Körper die Maschine und unsere Psyche das Lenkrad. Sie kann sehr zerstörerisch wirken, wer seine Ängste jedoch zu kontrollieren weiß, kann sie sich für inneres Wachstum zunutze machen.

Das sagt sich alles so einfach! Obwohl wir wissen, wie unverhältnismäßig wir uns vor manchen Situationen oder Objekten fürchten, können wir in der Konfrontationssituation kaum aus unserer (Gänse-)Haut heraus. Ich hatte am Wochenende wieder einmal eine Situation und ich muss ein Geständnis ablegen: Meine ganz persönliche Phobie ist ziemlich peinlich. Das weiß ich sogar selbst. Also die eine spezielle. Sicher, ich mag Spinnen, Schlangen und – es tut mir eh leid – Hunde auch nicht so besonders, aber zumindest bei der Hundesache gab es in meiner Kindheit ein ganz konkretes Ereignis, das Auslöser für die Phobie war. Nur gibt es da noch diese andere Sache, die besonders mit kleinen Kindern im Haus wirklich ungünstig ist. Mein Unterbewusstsein hatte irgendwann die Idee, dass es Ligyrophobie haben muss. Ich selbst finde das richtig unnötig und ermahne mein Innerstes regelmäßig, doch bitte nicht so kindisch zu sein. Hilft aber nicht.

Und da ich mich in der Hinsicht so eigenartig finde, habe ich vorgestern eine Liste von speziellen Phobien studiert, die noch interessanteres Material zu Tage brachte. Wusstest Du, dass es die Angst gibt, von Enten beobachtet zu werden? Anatidaephobie nennt sich das. Oder die Angst vor Gerechtigkeit – ja, Du hast kein Un- überlesen – Dikephobie. Arachibutyrophobie ist die Angst, dass Erdnussbutter am Gaumen klebenbleibt. Glucodermaphobie wiederum die Angst vor der Haut, die sich auf warmer, zu lange stehengelassener Milch bildet. Wer unter Hellenologophobie leidet, hat Angst vor griechischen (Fach-)Ausdrücken und Sphairachaettophobie bezeichnet die Angst vor Haarbällen. Die Angst vor der neuen deutschen Rechtschreibung ist die Neoorthographogermanophobie. Eine Frau, die Angst oder Abneigung gegenüber ihrer Großmutter hat, leidet unter Babushkaphobie. Auch die Angst vor Flöten (Aulophobie) oder die Angst vor Ausverkäufen (Bargainophobie) sind bekannt. Eine Bogyphobie hat man, wenn man beim Golfen Angst hat, mehr Schläge zu benötigen, als man im Idealfall vom Abschlag bis zum Loch brauchen sollte. Und wer von der Angst vor langen Wörtern gequält ist, ist ziemlich arm dran: Der Fachbegriff lautet nämlich Sesquipedalophobie. Das sind achtzehn Buchstaben.

Das einzig Beruhigende an der Angst ist die Gewissheit: Wenn der Zustand einen Namen hat, ist man nicht der einzige Mensch, der darunter leidet. Für meine Ligyrophobie bin ich in guter Gesellschaft … Oprah Winfrey soll sich auch vor Luftballons fürchten.

 

 

Fotocredit: pixabay, Capri23auto

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